Wissenschaftliches Arbeiten in der Pflege - Lehr- und Arbeitsbuch für Pflegende

Wissenschaftliches Arbeiten in der Pflege - Lehr- und Arbeitsbuch für Pflegende

 

 

 

von: Eva-Maria Panfil (Hrsg.)

Hogrefe Verlag Bern (ehemals Hans Huber), 2012

ISBN: 9783456951645

Sprache: Deutsch

436 Seiten, Download: 2612 KB

 
Format:  PDF, auch als Online-Lesen

geeignet für: Apple iPad, Android Tablet PC's Online-Lesen PC, MAC, Laptop


 

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Wissenschaftliches Arbeiten in der Pflege - Lehr- und Arbeitsbuch für Pflegende



19 Vorwort

Die Faszination der Pflege als Wissenschaft

«Wissenschaftliches Arbeiten» ist eine Methode, die in der Pflege mit zunehmender Wissenschaftlichkeit an Bedeutung gewinnt. Auf geheimnisvolle Art und Weise scheint es «studierte» Pflegefachpersonen von beruflich ausgebildeten Fachpersonen zu unterscheiden. Aber was ist es genau, wer kann es lernen, wer soll es lernen, kann man es lernen und – macht es eigentlich Spaß?

Als ich nach meiner Ausbildung zur Krankenschwester und mehrjähriger Berufstätigkeit mit einem Studium begann, eröffnete sich für mich eine neue Welt. Ich wurde aufgefordert, Fragen zu stellen, Texte kritisch zu betrachten, scheinbar Selbstverständliches in Frage zu stellen und andere Perspektiven einzunehmen. Dies war ich von meiner Arbeit nicht gewohnt, dort schien die Befolgung von Abläufen im Vordergrund zu stehen, und Fragen wurden eher als störend empfunden. Ich lernte, dass Papier geduldig ist, längst nicht alles Geschriebene glaubhaft ist, ungeachtet dessen, wer es geschrieben hat und wo es veröffentlicht wurde. Und mir eröffnete sich durch das Lesen englischsprachiger pflegewissenschaftlicher Literatur ein völlig neues Bild von dem, was Pflege sein kann. Begeistert las ich, wie Patienten mit chronischen Wunden ihren Alltag erleben, dass nicht immer jeder Dekubitus auch ein Dekubitus ist und dass es vielfältige Assessment-Instrumente für die Patientenedukation gibt. Als lernende Pflegewissenschaftlerin im europäischen Doktorandenprogramm, als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Witten/Herdecke, als Lehrbeauftragte an Hochschulen oder später als Professorin erfuhr ich, dass es nicht «das» wissenschaftliche Arbeiten in der Pflege gibt. Je nachdem, aus welcher Wissenschaft die Lehrenden stammten, wurden Methoden der Sozialwissenschaften oder der Naturwissenschaften gelehrt. Manchmal durften Literaturquellen durch Fußnoten angezeigt werden (die Menge an Fußnoten zeugte scheinbar von der Belesenheit des Schreibenden), manchmal war genau dieses verpönt. Bücher zum wissenschaftlichen Arbeiten stammten aus allen Disziplinen, nur nicht aus der Pflegewissenschaft. So blieb und ist die Ausbildung zum wissenschaftlichen Arbeiten sehr heterogen. Aber was ist nun richtig? Gibt es überhaupt ein «Richtig»? Das vorliegende Buch versucht, Kopfund Handwerk des wissenschaftlichen Arbeitens in der Pflege vorzustellen. Dies ist mehr, als einen Text zu lesen, richtig zu zitieren und zu schreiben. Zunächst fällt es vielen Studierenden schwer, Fragen zu stellen. Aber: Ohne Fragen funktioniert wissenschaftliches Arbeiten überhaupt nicht. Auch die Fähigkeiten, zuzuhören und mitzuschreiben, mitzudenken und kritisch zu denken, sowie Kenntnisse der englischen Sprache sind essenziell.

Das Buch versucht, verschiedene Ausdrucksformen wissenschaftlichen Arbeitens darzustellen. Sie finden unterschiedliche Umgangsweisen mit Zitierweisen, dem Bibliografieren und auch der Verwendung der männlichen und weiblichen Schreibweise. Verschaffen Sie sich Ihren eigenen Eindruck dazu und schauen Sie, wie es Ihnen mit der Unterschiedlichkeit der Manieren des Wissenschaftsbetriebes geht.

Wer kann wissenschaftlich arbeiten? Eigentlich alle Pflegefachpersonen, wenn sie das Handund Kopfwerk gut gelernt haben. In allen Niveaus der Pflegeausbildung werden heute schon einige der hier beschriebenen Techniken gelernt, für manche wird auch die Anwendung praktiziert. Das Buch richtet sich deswegen an alle Fachniveaus in der Pflege, an Lehrende und Lernende. Sie müssen nicht immer alle Kapitel lesen, für manche Ziele eignen sich auch einzelne ausgewählte Kapitel, zum Beispiel zum Lesen englischsprachiger Artikel, zum Zuhören, zur Erstellung eines Vortrages oder eines Posters. Vielleicht wollen Sie ja auch nur wissen, wie man am besten Literatur recherchiert oder in einem Journal veröffentlicht?

Wissenschaftliches Arbeiten kann «knorzetrocken» sein, jedoch auch mächtig viel Freude und Spaß bereiten. Dies sollen nicht nur die Inhalte des Buches beweisen, sondern dies bestätigen auch die befragten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. (Die Idee zu den Interviews habe ich übrigens aus dem Buch «Vom Wissen zum Buch» von Klaus Reinhardt (2008) mit dessen Genehmigung übernommen). Sie vermitteln auch aus ihren unterschiedlichen Erfahrungen heraus, wie am besten mit Schreiben, Lesen und der englischen Sprache umgegangen werden kann. Vielleicht lesen Sie ja auch nur die Interviews. Vielleicht «kribbelt» es Ihnen dann in den Fingern, so wie Berta Schrems beim Lesen (s. S. 237), und Sie haben Lust, wissenschaftlich zu arbeiten.

Kein Buch ist perfekt, und die Inhalte von Büchern sind nicht (!) qualitätsgeprüft (mehr dazu in Kapitel 2). Die Autorinnen und Autoren haben versucht, möglichst alle Facetten und anfallenden Aufgaben im Rahmen des wissenschaftlichen Arbeitens darzustellen. Ob uns dies gelungen ist, können Sie als Lesende am besten bestimmen. Helfen Sie uns, das Buch besser zu machen. Schicken Sie uns Ihre Fragen, Anmerkungen, Kritik und Lob. Schreiben Sie eine Buchrezension (Kap. 23).

Hanna Mayer beschreibt es in ihrem Interview so treffend: «Erliegen Sie der Faszination der Pflege als Wissenschaft» (s. S. 159). Vielleicht ist dieses Buch ein Einstieg dazu.
Im Februar 2010, Eva-Maria Panfil




Vorwort zur 2. Auflage

Ihnen allen herzlichen Dank, dass ein Buch zum Thema «Wissenschaftliches Arbeiten» nun bereits nach zwei Jahren in einer zweiten Auflage erscheinen kann. Einige Lesende haben den Aufruf im ersten Vorwort befolgt und eine Buchrezension geschrieben. Nach den Rezensionen zu beurteilen, hat das Buch seine Intention erreicht: Es weckt Neugier, macht Freude zum Weiterlesen, lädt zum Schmökern ein und liegt sogar deswegen auf manchem Nachttisch. Denn genau der «Nachtisch» hat das Buch so lebendig werden lassen: Die Erzählungen namhafter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Pflege zu ihren Erfahrungen mit dem «wissenschaftlichen Arbeiten». Wie es mit ihren Karrieren weiterging, können Sie der zweiten Auflage entnehmen. Nicht nur Familiensituationen haben sich verändert, sondern auch Arbeitsplätze.

Wie schon im Vorwort der ersten Auflage angekündigt, ist kein Buch perfekt. In der zweiten Auflage sind deswegen neben den biografischen Korrekturen vor allem (einige wenige) sachliche Korrekturen vorgenommen worden. Wir sind jedoch auf Ihre Mithilfe angewiesen. Tragen Sie dazu bei, dass dieses Buch noch hilfreicher für Ihre wissenschaftliche Praxis werden kann: Was vermissen Sie? Was bleibt unklar? Welche Fragen sind unbeantwortet? Schreiben Sie mir eine E-Mail. Für die erste Auflage habe ich, trotz Aufruf, keine Wünsche von den Leserinnen und Lesern erhalten. Ob das Vorwort überhaupt gelesen wird? Schaun wir mal ...
Februar 2012, Eva-Maria Panfil

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