Arbeitsbuch Religionspädagogik - Ein Begleitbuch für Studium und Praxis

Arbeitsbuch Religionspädagogik - Ein Begleitbuch für Studium und Praxis

 

 

 

von: Godwin Lämmermann

Gütersloher Verlagshaus GmbH, 2005

ISBN: 9783579054254

Sprache: Deutsch

348 Seiten, Download: 3221 KB

 
Format:  PDF, auch als Online-Lesen

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Arbeitsbuch Religionspädagogik - Ein Begleitbuch für Studium und Praxis



3. Kindheit (S. 107-108)

Elisabeth Naurath

Die wissenschaftliche Erforschung der Kindheit ist nicht neu: ob in Medizin, Pädagogik oder Psychologie wird seit mehr als zweihundert Jahren die dem Jugend- und Erwachsenenalter vorausgehende Lebensphase in ausdifferenzierten Teilbereichen untersucht. Doch obwohl schon vor über 100 Jahren das ›Jahrhundert des Kindes‹ (Ellen Key) ausgerufen wurde, kann man für die Gegenwart geradezu von einem Boom der Kindheitsforschung sprechen.

Es scheint nicht zufällig, dass in einer Gesellschaft, die in nie da gewesener Weise überaltert und die in volkswirtschaftlicher Dringlichkeit sich ihres eigenen nachwachsenden Potentials bewusst wird, das Thema ›Kind‹ in der öffentlichen Diskussion an der Tagesordnung ist.

Kindheitsforschung hat sich in den letzten Jahren zu einem breit angelegten und interdisziplinär ausgerichteten Zweig der Sozial- und Humanwissenschaften entwickelt. Der forschungsgeschichtliche Hintergrund, der zu diesem fachübergreifenden Kindheitsdiskurs geführt hat, ist vor allem im Paradigmenwechsel der klassischen Entwicklungspsychologie (8Kap. 2.3.2) zu sehen: wenn Entwicklung in interaktionistischer, d. h. in aktiver Auseinandersetzung des Subjekts mit seiner Umwelt verläuft, dann sind alle sozialen, kulturellen, politischen und auch religiösen Faktoren konstruktiv einzubeziehen. Will der Kindheitsdiskurs also der Komplexität seines Gegenstandsbereichs gerecht werden, dann kann er nur interdisziplinär geführt werden. Einblicke in die sozialwissenschaftliche und psychologische Kindheitsforschung zeigen jedoch eine weitgehende Ausblendung der religiösen Dimension von Kindheit und die bleibende, wichtige Aufgabe für die Theologie bzw. Religionspädagogik, diese vergessene Dimension des Menschseins in seiner Relevanz deutlich zumachen.

Dabei ist es unabdingbar, die religionspädagogische Geschichte zur Sichtweise von Kindheit selbstkritisch aufzuarbeiten (vgl. v. a. Schweitzer, 1992). Hier hat sich in den letzten Jahrzehnten sicher viel getan: während 1964 Werner Loch noch von der Verleugnung des Kindes in der Religionspädagogik sprach, zeigt heute das Schlagwort ›Kindertheologie‹ einen Perspektivenwechsel auf, der den religionspädagogischen Prozess hin zu einer verstärkten Wahrnehmung der Kinder als Subjekte ihrer Theologie verdeutlicht.

Folgende Themen sind heute für die Lebensphase der Kindheit von aktueller religionspädagogischer Bedeutung:

 Das Stichwort vom Wandel der Kindheit bedarf einer differenzierten Klärung, um den Lebenskontext heutiger Kinder angemessen wahrzunehmen und religionspädagogisch konstruktiv im Blick zu haben.

 Die Bedingungen religiöser Sozialisation haben sich so entscheidend ver ändert, dass grundlegende (empirische) Analysen nötig sind, um die Entwicklung von kindlicher Religion im disparaten multireligiösen und -kulturellen Kontext zu überschauen.

 Angesichts der Entkirchlichung unserer Gesellschaft steht die kirchliche Kleinkind- und Kinderarbeit vor ganz neuen Herausforderungen, öffentlichkeitswirksam ihre Relevanz (das Recht des Kindes auf Religion; vgl. Schweitzer 2000) und ihre Verbindungslinien zum schulischen Religionsunterricht deutlich zu machen.

 Der Diskurs um die Kindertheologie bedarf einer konzeptionellen Klärung und einer breit angelegten empirischen Forschung.

 Die Religionspädagogik ist in Theorie und Praxis interdisziplinär auszurichten, nicht nur um die lebensgeschichtliche Bedeutung von christlicher Bildung zu erweisen, sondern auch um elementare Kenntnisse sozialwissenschaftlicher Grundlagenforschung in die Religions- und Gemeindepädagogik konstruktiv-kritisch einzubeziehen.

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