Das Elend der Suchtprävention - Analyse - Kritik - Alternative

Das Elend der Suchtprävention - Analyse - Kritik - Alternative

 

 

 

von: Stephan Quensel

VS Verlag für Sozialwissenschaften (GWV), 2010

ISBN: 9783531923529

Sprache: Deutsch

471 Seiten, Download: 3097 KB

 
Format:  PDF, auch als Online-Lesen

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Das Elend der Suchtprävention - Analyse - Kritik - Alternative



These 6 (S. 300-301)

Die Sucht-Prävention verdeckt die realen Probleme, die an sich Aufgabe einer strukturellen Prävention sein müssten.

„Wir sind im Begriff, eine ganze Generation um ihre Zukunft zu betrügen, dachte er. Junge Menschen, die eine Schule besuchen, in der die Lehrer auf verlorenem Posten stehen, mit zu großen Klassen und schrumpfenden Mitteln. Junge Menschen, die nie auch nur eine Chance bekommen, einer sinnvollen Arbeit nach zu gehen. Die nicht nur nicht gebraucht werden, sondern sich als direkt unwillkommen fühlen. In ihrem eigenem Land.“ (H. Mankell: Die Brandmauer. DTV 2003,451)

Es entspräche wohl einem neumodisch neoliberal-ökonomischen Denken, solche unzulänglichen und möglicherweise schädlichen Präventionsbemühungen völlig ein zustellen, den Nikotin-Konsum Jugendlicher in das Betäubungsmittelgesetz einzufü gen und die anderen als unverbesserlich ihrer Sucht zu überlassen.

Eben so, wie sei nerzeit das "nothing works" in perverser Koalition zwischen berechtigter Kritik und klammen Finanzministern das Ende unserer Resozialisierungs- Bemühungen bei Ge fangenen einleitete. Doch würde man damit kaum eines der ‚realen‘ Probleme lösen, auf die sich auch die Sucht-Prävention berufen kann. Wir geraten damit an eines der zentralen Probleme gegenwärtiger Sozialarbeit.

Auf der einen Seite muss sie solche ‚realen Probleme‘ als Existenz-Basis ihrer Arbeit be tonen, im Wissen darum, dass die damit verbundene Defizit-Orientierung stigmatisie rend schaden oder normierend kontrollieren kann. Und auf der anderen Seite wird sie zu deren Lösung angesichts der Schwierigkeiten ‚strukturell‘ orientierter Prävention stets doch wieder auf die leichter zugänglichen individuellen Risiko-Personen zurück greifen und damit eben deren Risiken weiter verfestigen. Auch in dieser sechsten These folge ich der zu Beginn der vorangegangenen These angesprochenen Frage, wie sich eine – hegemonial auftretende – kulturelle Definitions-Macht im dynamisch interaktiven Miteinander und Gegeneinander auswirken kann, welche ernsthaften Folgen also dieser Defizit-orientierte Deutungs-Horizont mit sich führt.

Ein Denk-Rahmen, der von einem allgemeineren Drogen-Dispositiv entwickelt wird, ein Dispositiv, in dem auch die "Sucht"-Prävention eingebettet ist, von dem her sie ihre Legitimation bezieht und das sie zunehmend an vorderster Front (bei Kindern und Jugendlichen) mit vorantreibt. Während ich in der vorangegangenen These aufzeigte, wie die Sucht-Prävention mit ihrem Defizit-Ansatz ihr kulturelles Schema – rahmengebend – in den Köpfen vor allem der Jugendlichen und ihrer unmittelbaren Umgebung verankern kann, werde ich jetzt dessen besser sichtbare Auswirkung auf die Ausbildung und Verfestigung sogenannter Sucht-Karrieren darlegen.

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