Selbstmanagement-Therapie - Ein Lehrbuch für die klinische Praxis

Selbstmanagement-Therapie - Ein Lehrbuch für die klinische Praxis

 

 

 

von: Frederick H. Kanfer, Hans Reinecker, Dieter Schmelzer

Springer-Verlag, 2006

ISBN: 9783540299615

Sprache: Deutsch

552 Seiten, Download: 4646 KB

 
Format:  PDF, auch als Online-Lesen

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Selbstmanagement-Therapie - Ein Lehrbuch für die klinische Praxis



Phase 1 Eingangsphase – Schaffung günstiger Ausgangsbedingungen (S. 121-123)

Einleitender Überblick

Die erste Phase der Th erapie stellt in vielerlei Hinsicht einen sehr entscheidenden Abschnitt des diagnostisch- therapeutischen Prozesses dar und nimmt deshalb in der vorliegenden Darstellung breiten Raum ein. Sie ist deswegen von herausragender Bedeutung, weil das Scheitern therapeutischer Bemühungen häufi g nicht auf die Unlösbarkeit der Probleme oder einen unbehandelbaren Klienten zurückzuführen ist, sondern darauf, dass es der Th erapeut versäumt hat, grundlegende therapeutische Voraussetzungen zu schaff en (vgl. Kanfer &, Grimm, 1980, S. 422). Folglich wird zu Beginn der Kontakte versucht, neben der Sammlung problembezogener Informationen möglichst günstige Weichenstellungen für den weiteren Therapieverlauf vorzunehmen. Auch wenn die Phase 1 mit dem Erstkontakt beginnt, ist sie mit dem Erstgespräch nicht zeitlich deckungsgleich.

Einige zusätzliche Aspekte der besonderen Situation des Erstgesprächs haben wir in einem Extra-Kapitel (1.3.2) in Teil III präsentiert. Die Eingangsphase dauert in der Regel jedoch wesentlich länger als die zeitlich eng begrenzte erste Th erapiestunde: Dabei gehen einerseits viele Aspekte mit ein, die das Ergebnis von Entscheidungen vor Th erapiebeginn darstellen. Andererseits kann man nicht erwarten, dass alle weiter unten präzisierten Schwerpunktziele für Phase 1 bereits am Ende des ersten Kontakts erreicht sind. Häufi g dauert es vier, fünf oder noch mehr Termine, bis die Phase 1 als »durchlaufen« gelten kann, und der Übergang zu den späteren Phasen erfolgt. Dies weist darauf hin, dass sich die Phasenübergänge nicht anhand vorgebbarer zeitlicher Grenzen regeln, sondern immer in Abhängigkeit davon, ob die konkreten Schwerpunktziele der jeweiligen Phase erfüllt sind.

Von Anfang an sieht sich der Therapeut kontinuierlich parallelen Mehrfachanforderungen ausgesetzt: Er versucht z. B. eine Atmosphäre der Wärme und Geborgenheit zu vermitteln, Angst, Nervosität und Anspannung beim Klienten zu vermindern, eine kooperative Arbeitsbeziehung zum Klienten aufzubauen, das Gespräch inhaltlich in Gang zu bringen oder in Gang zu halten, problemrelevante Informationen einzuholen, Erwartungen zu klären, Th erapiemotivation aufzubauen, organisatorische Fragen zu besprechen und vieles mehr. Das Medium (»Vehikel«), in dessen Rahmen diese Aufgaben verfolgt werden, stellt in der Regel das Gespräch oder besser die Interaktion zwischen Th erapeut und Klient (auf allen Ebenen) dar. Wegen der besonderen Bedeutung haben wir dem Th ema Gesprächsführung in Teil III ein eigenes Kapitel (1.2) gewidmet.

Während man sich in den Frühphasen der Verhaltenstherapie stark inhaltszentriert um die Aspekte der »reinen« Informationen in solchen Interviews gekümmert hatte, ist mittlerweile klar, dass jede Information eine Funktion der Atmosphäre ist, in der ein solches Gespräch stattfindet. Da jedes Verhalten – auch das Gesprächsverhalten des Klienten – situationsabhängig ist, muss der persönliche (innere) und physikalische (äußere) Rahmen des Interviews als konstituierendes Moment der Gesprächsinhalte ausdrücklich mit in die Betrachtung einbezogen werden:

So ist die Gesprächssituation eben nicht nur inhaltlicher Informationsaustausch, sondern auch ganz explizit ein wechselseitiger Kommunikationsprozess mit Inhalts- und Beziehungsaspekten (im Sinne von Watzlawick, Beavin &, Jackson, 1969). Ein inhaltliches Arbeiten an bestimmten Problemen bzw. an bestimmten Zielen kann also nur dann mit Aussicht auf Erfolg in Angri. genommen werden, wenn die Interaktion zwischen Therapeut und Klient ( = Beziehungsebene) kommunikativen Mindestanforderungen genügt.

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